Philosophy - E-Type-Culture - Deutsch

Philosophy

03-Apr-2000 10:52
 

“Der Körper ist die Form der Seele” (Immanuel Kant)

Beauty sells – Schönheit verkauft sich. Das ist die Philosophie, mit der GM (General Motors) zum grĂ¶ĂŸten Automobilhersteller der Welt wurde. Das gilt als unumstrittene Tatsache. Es muss fĂŒr die Verantwortlichen von General Motors ein unertrĂ€glicher Zustand gewesen sein, dass der schöne Jaguar E-Type in den Staaten besser verkauft wurde, als ihre eigene Corvette. Nur so lĂ€sst sich erklĂ€ren, warum die Amerikaner 1967 neue Straßenverkehrsgesetze erfanden. Die Corvette blieb davon selbstverstĂ€ndlich unberĂŒhrt. Aber das Design des Jaguar wurde in seiner Eigenart entstellt: der aerodynamische Fluss der Linie wurde zerstĂŒckelt. Als die Amerikaner ihre Gesetze zum Modelljahr 68 weiterhin verschĂ€rften, ging die Rechnung von GM endgĂŒltig auf. Die Presse war empört: “…aber ohne die transparenten Scheinwerfer-Abdeckungen sah die Front ganz anders aus, so als litt der Jaguar unter einer Art Augapfelvorfall” (Jaguar Geschichte-Technik-Sport, Motorbuchverlag S.292).

Alle Detailverbesserungen am Jaguar halfen nicht und selbst der hochkarĂ€tige V12 wurde nie wieder so erfolgreich verkauft, wie der ursprĂŒnglich Stilechte .

Die verlorene Schönheit des E-Type ist aber nur ein Aspekt. Der andere ist die aerodynamische Funktion. Was heute wie selbstverstĂ€ndlich bei allen Automobilen Anwendung findet, war damals der absolute Fortschritt. NĂ€mlich der aerodynamisch in die Form integrierte Scheinwerfer. Jaguar war hier der Vorreiter, der vom Rennwagen hergeleitet als erster Großserien-Hersteller der Welt diese Bauweise fĂŒr die Strasse anbot.

Wer Technik als Kulturgut, als geistige Leistung der Menschheit ansieht, muss sagen, dass der Jaguar somit um seinen Fortschritt kastriert wurde. Die Dramatik nimmt weiter zu, wenn man die Endwicklungsgeschichte des E-Type kennt. Der Designer Malcolm Sayer war Flugzeugaerodynamiker. Genau so, wie er schon den berĂŒhmten D-Type möglichst windschlĂŒpfrig baute, wurde auch der E-Type knallhart durch aerodynamische Berechnungen ermittelt. Der Entwurf seiner rein ellyptischen Form und die ursprĂŒngliche Idee basiert ganz elementar auf den strömungsgĂŒnstigen Eigenschaften. Das war ein wesentlicher Bestandteil des E-Type-Erfolgskonzeptes. Und genau dieser Stil wurde durch die Lobbyisten von General Motors zerstört. Ein direkter Preisvergleich zwischen Serie 1 und Serie 1,5 belegt dieses Disaster sogar in Zahlen. Bei toprestaurierten Exemplaren sind hier Differenzen von bis zu 15.000 Euro bekannt.

Wer die “0riginalen” Werte seines E-Type wieder herstellt und die ursprĂŒngliche Linie rekonstruiert, wird nicht nur bewundernde Blicke ernten – er wird auch den Marktwert seines Autos deutlich steigern.

Beauty sells! Es war so, es ist so und es wird immer so sein.

(Lesen Sie auch den Artikel Postcard from America (englisch)!)

Stefan Wahl.
SonderpreisprĂ€mierter Designer durch den grĂ¶ĂŸten Automobilhersteller der Welt (General Motors).
FĂŒr seine Verfeinerungen am E-Type im Namen des leider verstorbenen Malcolm Sayers belobigt, dem Schöpfer des E-Types und wohl erfolgreichsten englischen Sportwagendesigners aller Zeiten.